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Birthe Bendixen

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Seit Beginn meiner Ausbildung als Sängerin bin ich mit der Auseinandersetzung um die Zusammenhänge von Mensch und Stimme beschäftigt. Mein Musikstudium absolvierte ich an der Musikhochschule in Bremen. Ich besuchte extern die Gesangsklasse von Prof. Elisabeth Jalbert an der Musikhochschule in Hamburg. Die alleinige technische Beschäftigung mit der Stimme reicht meiner Meinung nicht aus, ein lebendiges Instrument zu schaffen.

Zuerst begann ich mit privaten Fortbildungen in Körper/Leibarbeit mein eigenes Instrument zu erfahren. Dabei stellten sich folgende Fragen:
Wie gelange ich zu einer ungehinderten Atmung?
Wodurch entsteht innere Bewegtheit?
Wo befindet sich das Denken in der Empfindung der Musik?
Was heißt Innerlichkeit im sich Äußern und wo bleibt dabei die Scham?

Ilse Mittendorf und die leider in Vergessenheit geratene Leiberfahrung von Elsa Gindler halfen mir Antworten auf einige meiner Fragen zu finden. Meine stimmlichen Möglichkeiten entwickelten sich zunehmend.

Gleichzeitig besuchte ich zu der Zeit Meisterkurse bei berühmten Gesangslehrern von denen ich mir eine Vertiefung der sängerischen Ausdrucksmöglichkeiten erhoffte. Dazu gehörten Julia Hamary, Jessica Cash, Laszlo Polgar, Judith Beckmann, Renate Behle und Kurt Widmer. Musikalisch erarbeitete ich viele Stücke zeitgenössischer Musik und sang in diversen Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten. H.J.Hespos, der eine für mich sehr körperliche Musiksprache entwickelt hat, zog mich eine Zeitlang in seinen Bann.

In vielen Arbeiten gelangte ich an die Grenzen der stimmlichen Möglichkeiten, oder fand genau diese Grenzen nicht ausgelotet.So wendete ich mich der Improvisation zu. Trat mit Thorsten Müller, Fred Frith, Anthony Coleman auf und besuchte Kurse bei Meredith Monk Joelle Leandre, Pauline Oliveros und Shelly Hirsch.

Zudem gründetet ich eine eigene Improvisationsgruppe mit großartigen Konzerten und vielfältigen  Erlebnissen, die nicht immer musikalischer Natur waren.

Ich begann eigene kleine Musikstücke zu schreiben und Performances zu entwickeln. Die Performance bot mir ein breites Feld Stimme, Aktion, Körper, Video, vorproduzierte Klänge, Computer, andere Künstler und Musik stets neu zu vereinen.

Zur Vertiefung der bildnerischen Elemente in meinen Arbeiten besuchte ich Kurse bei bildenden Künstlern wie Christina Kubisch, Marie Jo Lafontaine, Marina Abramovic , H.P.Kuhn und Maria Fisan. Sie lehrten mich eine eigene Sichtweise auf den stimmlichen Ausdruck.

Mit meinem Umzug nach Berlin eröffneten sich Kontakte zu freien Theaterproduktionen was mich mit Heiko Pfost, J.P.Possmann, I.L.Ernst und C&A zusammenbrachte.

Inzwischen trete ich auch wieder mit klassischen Konzertprorammen auf in denen ich klassische, romantische, neue Musik sowie Chanson, Schlager und Jazzmusik miteinander verbinde.

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Auftritt mit A-Capella-Programmen. Dafür konzipiere ich zusammen mit der Hamburger Videokünstlerin Anette von Keudel ein Bühnenbild.

Für die Ars Nova Reihe des SWR entwickelte ich zusammen mit Bettina Bruns und Christoph Grund die Kammeroper „Sing & Remember“. Das Bühnenbild gestalteten wir selbst mit kleinen Handkameras, die uns Nam Jun Paik zur Weiterführung seines Konzeptes der Videopera zur Verfügung stellte. Derzeit schreiben Christoph Grund und Ich erneut an einem  musiktheatralischen Stück. Unser Projekt zu Echo & Narziss spürt auf eine nicht narrative Weise den Wesenskern der Geschlechterspannung und die immanente Bezogenheit der Geschlechter zueinander in einer künstlerischen Form auf.